Neustart – Finde das Auge des Tigers

Es ist Samstag, 6:39 Uhr und ich habe gerade meinen ersten Morgenlauf seit 7 Monaten absolviert. Nun sitze ich an meinem Schreibtisch mit einer Tasse Kaffee und meinem Logbuch. Ich nenne es nicht Tagebuch, da ich noch nicht sicher bin, ob ich hier regelmäßig etwas schreibe. Ein Logbuch wurde ja früher schon in der Schifffahrt für das Festhalten wichtiger Ereignisse genutzt und so werde ich hiermit auch verfahren, daher scheint mir der Begriff Logbuch der passendere zu sein.

Die Familie schläft noch und draußen ist es dunkel. Immerhin sind heute Morgen schon 7 Grad, da wurde mir der Wiedereinstieg nicht so schwer gemacht. Aber wie bin ich darauf gekommen, wieder mit dem frühen Aufstehen und Laufen zu beginnen? Wieso dieser Neustart?

Ich habe im Juni 2018 das Buch Miracle Morning von Hal Elrod gelesen und dann direkt mit dem Miracle Morning begonnen. Parallel habe ich nach einer halbjährigen Pause einen neuen Job angenommen. Zu Beginn lief es mit dem Miracle Morning noch ganz diszipliniert ab, aber nach und nach legte ich immer mal wieder eine Pause in meinem Ritual ein – mit irgendeiner Ausrede. Wie das mit Pausen so ist, wenn sich das erstmal einschleicht, lässt man es irgendwann ganz sein. Es ist wie mit dem Sport: Nur wer regelmäßig Sport treibt bekommt auch messbare und spürbare Erfolge.

Dann kam zu guter Letzt auch noch die dunkle Jahreszeit.Neben meinem Morgenritual habe ich dann auch mit dem Sport aufgehört. Als Bestrafung nahm ich dann auch gleich 5 Kilo zu. Da war Sie hin meine Disziplin, für die ich oft bewundert wurden und für die ich viel Zuspruch bekam. Viele fragten mich immer, wie ich so motiviert sein könne und wie ich das alles schaffen würde? Und nun war ich doch nur einer in der Masse. Wie Hal Elrod in seinem Buch sagte: Ich gehörte zu den 95%.

Durch meinen wirklich tollen Arbeitgeber bekam ich zum Jahreswechsel die Chance, mein damals verpasstes Bachelor Studium nebenberuflich nachzuholen – diese Chance ergriff ich natürlich. Neue Motivation keimte in mir auf und voller Tatendrang und Enthusiasmus startete ich Mitte Januar mit dem ersten Modul des Fernstudiums. Bis heute läuft es wirklich gut, ich bin diszipliniert und fleißig, meine Selbstmotivation stimmt auch und ich kommen gut voran.

Trotzdem merkte ich, dass ich nicht ausgeglichen bin. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist unser Energielevel sowieso schwer mitgenommen und wird von den äußeren Umständen echt herausgefordert. Ich kenne meinen Körper und seine Signale durch meine langjährige sportliche Tätigkeit sehr gut und weiß, was er zu leisten im Stande ist. Ich fühlte mich schlapp, wenig leistungsfähig und irgendwie unfit. Nach einem langen Arbeitstag war ich oft müde und musste mich zu meiner geplanten Studien-Session zwingen. Ich spürte, dass diese gezwungene Motivation extrinsischer Natur war, also nicht primär aus meinem Inneren kam, sondern eher durch äußere Faktoren wie Familie, Firma, Freunde getriggert wurde – man möchte sich keine Blöße geben oder versagen. Viele wussten was ich da tat und was für ein Programm ich vor mir hatte und so spürte ich einen gewissen Druck. Diese Art sich zu Motivation ist anstrengend und lässt sich nicht die nächsten 3 Jahre aufrechterhalten.

Ich musste etwas ändern – Zeit für den Neustart!

Nachdem ich letzte Woche mein letztes Studienheft des ersten Moduls abgeschlossen hatte und auf das Zusenden der Prüfungsaufgabe wartete, überkam mich die Idee, ich könnte mal wieder in Miracle Morning von Hal Elrod hineinlesen. Schon die ersten Seiten waren vertraut und ich spürte wieder diese unglaubliche Energie die Hal mit seiner Geschichte und der Art Sie zu erzählen ausstrahlte. Ich verschlang die ersten Seiten und in meinem Kopf wuchs der Wunsch, den Miracle Morning wieder als feste Routine in meinen Tagesablauf zu integrieren und diesmal auch dabei zu bleiben!

Heute Morgen war es nun soweit. Der Wecker klingelte um 5 Uhr. Da ich gern die Snooze-Taste drücke, habe ich mich gleich selbst überlistet. Das Handy legte ich gestern Abend bereits auf das Siteboard am anderen Ende des Schlafzimmers, so dass ich aufstehen musste, um es auszuschalten. Nach dem Aufstehen und ausschalten des Weckers ging ich direkt ins Badezimmer. Dort lagen bereits meine gestern bereit gelegten Sportsachen, denn ich wollte heute morgen laufen gehen.

Nach einem großen Glas Wasser, der morgendlichen Meditation und dem Sinnieren über alles mögliche (ich nutzte die Entspannung und Ruhe und ließ meine Gedanken einfach laufen) zog ich mir meine Jogger an und lief los.

Was für ein Gefühl, was für eine Energie. Nach dem ersten Kilometer kamen mir die ersten Affirmationen in den Kopf, welche ich laut aussprach und mehrfach wiederholte. Energieschübe durchfuhren meinen Körper und mein Herz sprang vor Freude. Auf dem letzten Kilometer kam das Lied „Eye of the Tiger“ von Surviror auf meiner Playlist. Der Soundtrack zu einem meiner Lieblingsfilme – Rocky III. Ich bekam direkt eine Gänsehaut und sang leise mit. In Rocky III ist Rocky Schwergewichtsweltmeister und durch den Erfolg müde geworden – er hat den Biss verloren. Dann wird er durch den Emporkömmling Clubber Lang vernichtend geschlagen. Um sich auf den Rückkampf vorzubereiten, ändert er mit seinem besten Freund Apollo Creed seine Strategie und sein bisheriges Verhalten. Er musste das Auge des Tigers zurückgewinnen – das Feuer das in Dir brennt, was Dich intrinsisch motiviert, Dich von innen heraus zu Höchstleistungen anspornt.

Ich sehr direkt wieder viele Parallelen dieser Filmgeschichte zu meinem eigenen Leben. Ich bin der Überzeugung, dass jeder das Auge des Tigers in sich trägt, die Meisten es aber nicht nutzen. Sie haben die Verbindung im Trott von Gewohnheiten und Ziellosigkeit verloren.

Ich habe für mich den Neustart gemacht – nun heißt es dranbleiben und das Auge des Tigers wieder aktivieren und leben. Wenn man dranbleibt, sich reflektiert und an diesen Erkenntnissen wächst, kann jeder Großes erreichen – das haben viele Menschen vor uns oder neben uns bereits bewiesen. Vielleicht habe ich im letzten Jahr zu schnell aufgegeben und meinen Fokus auf meine Ziele verloren – aber es ist nie zu spät einen Neustart zu wagen – das persönliche Comeback zu feiern. Rocky hat ja schließlich am Ende auch gewonnen – das werde ich auch – und DU kannst das auch!

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