1100 Kilometer. 7500 Höhenmeter. 60 Stunden Zeitlimit. Kein Support-Team. Keine Ausreden.
Anfang Juli wartet auf mich eine Herausforderung, die sich selbst beim Schreiben noch etwas unrealistisch anfühlt: das Race Across Germany von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen.
Einmal der Länge nach durch Deutschland. Vom hohen Norden bis an den Rand der Alpen. Mit dem Rennrad. Nonstop. Auf eigener Kraft.
Offiziell führt die Strecke über rund 1100 Kilometer und 7500 Höhenmeter von Flensburg nach Garmisch. Für 2026 ist das Event vom 02. bis 05. Juli angesetzt.
Aber Zahlen allein erzählen nicht, was dahintersteckt.
Denn 1100 Kilometer bedeuten nicht einfach nur „lange Rad fahren“.
Es bedeutet: Müdigkeit. Hunger. Schmerzen. Zweifel. Nachtfahrten. Wetter. Navigation. Entscheidungen unter Erschöpfung. Und immer wieder die eine Frage:
Warum mache ich das eigentlich?
Das Besondere an meinem Start: Ich fahre unsupported.
Das heißt: kein Begleitfahrzeug, kein eigenes Support-Team, niemand, der mir Verpflegung reicht, Material vorbereitet oder mich mental durch dunkle Momente zieht.
Ich muss alles selbst organisieren.
Essen. Trinken. Kleidung. Licht. Akkus. Navigation. Pausen. Pannen. Schlafmanagement. Mentale Tiefpunkte.
Natürlich gibt es unterwegs Tankstellen, Supermärkte oder andere Möglichkeiten, sich zu versorgen. Aber am Ende bin ich allein verantwortlich. Für jede Entscheidung. Für jedes Tempo. Für jede Pause. Für jedes Weiterfahren.
Und genau das macht den Reiz aus.
Denn bei so einem Rennen geht es nicht nur um Wattwerte, Trainingspläne oder aerodynamische Positionen. Es geht darum, ob du in der Lage bist, auch dann weiterzumachen, wenn dein Kopf dir längst erzählt, dass es reicht.
Viele fragen mich wahrscheinlich:
„Stefan, warum macht man sowas?“
Die ehrliche Antwort: Weil ich wissen will, was möglich ist.
Ich liebe Triathlon, Rennradfahren und Krafttraining. Ich liebe strukturierte Vorbereitung. Ich liebe es, Ziele zu haben, die mich fordern. Aber noch mehr liebe ich es, mich in Situationen zu bringen, in denen ich nicht mehr mit Motivation weiterkomme.
Denn Motivation ist leicht, wenn die Sonne scheint, die Beine frisch sind und alles läuft.
Spannend wird es, wenn du nachts irgendwo durch Deutschland fährst, müde bist, dir kalt ist, der Hintern brennt, der Magen nicht mehr will und du weißt: Bis Garmisch ist es noch sehr weit.
Genau dort beginnt für mich echtes Training.
Nicht körperlich.
Sondern mental.
Ich mache das nicht, um irgendwem zu beweisen, dass ich besonders hart bin.
Ich mache das, weil ich fest daran glaube, dass wir Menschen oft viel mehr können, als wir uns selbst zutrauen.
Viele Männer in meinem Alter kennen das: Job, Familie, Verantwortung, Termine, Druck. Man funktioniert. Man liefert. Man kümmert sich um alles und jeden. Aber irgendwann bleibt man selbst auf der Strecke.
Sport hat mir in meinem Leben geholfen, wieder Struktur, Energie und Selbstvertrauen aufzubauen. Und genau deshalb suche ich mir Ziele, die mich wachhalten. Ziele, die mich zwingen, ehrlich mit mir selbst zu sein.
Das Race Across Germany ist so ein Ziel.
Nicht bequem. Nicht vernünftig im klassischen Sinne. Aber genau deshalb wertvoll.
1100 Kilometer sind brutal.
7500 Höhenmeter sind viel.
60 Stunden Zeitlimit lassen wenig Raum für Fehler.
Aber ich glaube nicht, dass die Strecke der härteste Gegner ist.
Der härteste Gegner wird mein eigener Kopf.
Was mache ich, wenn ich nach 400 Kilometern merke, dass noch nicht einmal die Hälfte geschafft ist?
Was mache ich, wenn ich nachts müde werde und jede Bushaltestelle plötzlich aussieht wie ein Hotelzimmer?
Was mache ich, wenn der Körper rebelliert, der Schnitt sinkt und der Plan nicht mehr aufgeht?
Genau für diese Momente trainiere ich.
Nicht nur mit langen Ausfahrten. Nicht nur mit Intervallen. Nicht nur mit Krafttraining. Sondern mit Routinen, Disziplin und der Fähigkeit, Probleme ruhig zu lösen.
Denn bei einem unsupported Rennen gewinnt nicht derjenige, der nie Probleme hat.
Sondern derjenige, der unterwegs Lösungen findet.
Die Route von Flensburg nach Garmisch ist nicht einfach nur eine sportliche Aufgabe. Sie ist auch eine Reise.
Vom Norden Deutschlands geht es Richtung Süden. Erst flacher, später welliger, irgendwann bergiger. Am Ende wartet Garmisch-Partenkirchen mit der Kulisse der Alpen.
Der Veranstalter beschreibt das Race Across Germany als eine Fahrt durch die Vielfalt Deutschlands – von der Küste bis an die Alpen, mit körperlichen und mentalen Grenzen als ständiger Begleiter.
Und genau das reizt mich.
Nicht nur ankommen.
Sondern erleben, was auf diesen 1100 Kilometern passiert.
Natürlich will ich finishen.
Aber mein eigentliches Ziel ist größer als die Ziellinie.
Ich will sauber vorbereitet an den Start gehen. Ich will unterwegs gute Entscheidungen treffen. Ich will ruhig bleiben, wenn es schwierig wird. Ich will mich nicht von Schmerzen, Müdigkeit oder Zweifeln kontrollieren lassen.
Und ich will zeigen, dass man auch mit 45, Familie, Job und Verantwortung noch große Ziele verfolgen kann.
Nicht, weil es leicht ist.
Sondern weil es wichtig ist, sich selbst nicht zu verlieren.
Wir brauchen Ziele, die uns fordern.
Wir brauchen Aufgaben, die uns wachsen lassen.
Wir brauchen Momente, in denen wir merken: Ich bin noch lange nicht fertig.
Das Race Across Germany ist für mich kein einzelnes Event. Es ist ein Prozess.
Jede Trainingseinheit, jede lange Ausfahrt, jede müde Stunde auf dem Rad bringt mich näher an den Punkt, an dem ich am Start stehen werde und weiß:
Ich habe alles getan, was ich tun konnte.
Ob am Ende alles perfekt läuft? Garantiert nicht.
Aber genau darum geht es.
Im Sport wie im Leben läuft selten alles nach Plan. Entscheidend ist, ob du trotzdem handlungsfähig bleibst. Ob du Verantwortung übernimmst. Ob du weitermachst, wenn es unbequem wird.
Das ist eine der wichtigsten Lektionen:
Nicht warten, bis alles perfekt ist.
Nicht auf Motivation hoffen.
Nicht beim ersten Widerstand aussteigen.
Sondern anfangen. Dranbleiben. Anpassen. Weitergehen.
Oder in diesem Fall:
Weiterfahren.
Das Race Across Germany wird eines der härtesten sportlichen Projekte, die ich bisher angegangen bin.
1100 Kilometer von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen.
7500 Höhenmeter.
60 Stunden Zeitlimit.
Unsupported.
Das wird kein gemütliches Abenteuer. Das wird ein ehrlicher Test.
Für meinen Körper.
Für meinen Kopf.
Für meine Disziplin.
Für mein Warum.
Und genau deshalb freue ich mich darauf.
Ich werde euch auf meiner Website und meinen Kanälen mitnehmen: in die Vorbereitung, in die Materialplanung, in die Trainingswochen, in die Zweifel und hoffentlich auch bis ins Ziel nach Garmisch.
Denn am Ende geht es nicht nur darum, Deutschland mit dem Rad zu durchqueren.
Es geht darum, sich selbst zu begegnen, wenn es schwer wird.
Und dann nicht stehenzubleiben.
Flensburg bis Garmisch. 1100 Kilometer. Ein Ziel. Kein Support. Keine Ausreden.